Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Lev 19,33

Liebe Gemeinde!

Kennen Sie das Lied von den Bläck Fööss: „Unser Stammbaum“?

Bei mir schießen dann leicht und schnell die Tränen in die Augen, schon bei den ersten Worten: „Ich war ein stolzer Römer, kam mit Cäsars Legion, Und ich bin ein Franzose, kam mit dem Napoleon. .. so sind wir alle hierher gekommen……“

Sie fragen, warum ich so emotional berührt bin? Weil ich denke: Ja, so soll es sein auf Gottes großer Erde. Alle stonn zusammen, trinken einen mit, feiern, freuen sich…. ist das nicht der Himmel auf Erden?

Es geht um die Erfüllung der großen Sehnsucht nach Gemeinschaft, Zusammenhalt, Anerkennung des Anderen, weil keiner besser ist als der andere. Es geht eigentlich um das Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den anderen lieben wie Dich selbst.“  So steht es in 3. Mose 19,18 und Jesus sagt:  „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das andere ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ Mt 22,37-40Und noch deutlicher wird es in 3. Mose 19, 33: Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken.

Vielleicht rührt mich dieses Lied auch deshalb so, weil es eine urchristliche Prägung hat:  Nächstenliebe trotz und wegen aller Unterschiede! Unterschiede sind gut und wichtig. Wie schrecklich wäre eine Welt in der wir alle gleich denken, gleich handeln, wie Maschinen. Man kann viel von anderen lernen, abschauen und genießen. 

An der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal hing auf meinem Wohnflur folgendes Plakat:

Dein Christus ist ein Jude 
Dein Auto ist ein Japaner 
Deine Pizza ist italienisch 
Dein Mittagsmahl ist chinesisch 
Dein Champagner ist französisch 
Deine Demokratie ist griechisch 
Dein Kaffee ist brasilianisch 
Dein Urlaub ist türkisch 
Deine Schrift ist lateinisch 
Deine Zahlen sind arabisch
… und Dein Nachbar ist nur ein Ausländer?

Die Bläck Fööss singen:

Ich bin aus Palermo, brachte Spaghettis für euch mit. Und ich war ein Pimock, heute lache ich mit Euch mit

Da ich nicht weiß, ob Sie wissen, was ein Pimock ist, hier die Erklärung laut Adam Wredes Wörterbuch zur kölschen Sprache. 

Der Pimock ist eine land- und ortsfremde Person. Besonders als die Bevölkerung Kölns Ende des 19. Jahrhunderts kräftig anwuchs, wurden die Leute, die aus dem Osten nach Köln strömten, so bezeichnet. 
Quasi als Sammelbegriff für alle, die man nicht wollte, aber benötigte, wie die Saisonarbeiter auf den Landgütern. Pimock gilt somit auch als ein Schimpfwort. Damit sei ein erbärmlicher Kerl gemeint und ein solcher, der durch sein Benehmen unangenehm auffällt.
Bei den Soldaten war nach 1871 ein unbeliebter Vorgesetzter ebenfalls ein Pimock. Das gleiche galt für Beamten, Handwerker und Kaufleute. Also generell jemand, der einem nicht passte, der nicht dazu gehörte. Heute wären es Flüchtlinge oder Fremde. 
Die Fremden vor 70 jahren, die Vertriebenen des zweiten Weltkrieges sind heimisch geworden, genauso wie unsere Gastarbeiter und viele andere, die sich reibungslos in unsere gesellschaft eingefügt haben. All diese können mitsprechen:

Und ich war ein Pimock, doch heute lache ich mit Euch. Ich bin Grieche, Türke, Jude, Moslem und Buddhist, mir all, mir sind nur Menschen, vor dem Herrgott sind wir gleich.

Ich weiß, es gibt einige, die Schwierigkeiten damit haben in einem jeden Mitmenschen einen Nächsten zu erkennen, der geliebt werden soll und möchte.

Woran liegt das? Das liegt daran, dass viele Angst haben, 

  • vor dem Fremden
  • vor den Taten einzelner Menschen.

Da hilft nur eins:

  • Der Hass muss abgebaut, 
  • die Rachegedanken abgelegt werden. 

Das Ziel muss sein: 

  • Konflikte nicht unter den Teppich zu kehren,
  • sondern sie offen und sachlich anzugehen. 

Erst wenn wir der Angst und dem Hass auf beiden Seiten ganz bewusst absagen, wird der Weg frei für die Liebe –  die Nächstenliebe, die auch den Fremden umfasst. Erst wenn wir uns bewusst damit auseinandersetzen, das an uns heranlassen, wird der Weg frei für die Liebe, die den Fremden im Land nicht unterdrückt. Den Nächsten wirklich lieben, kann ich nur, wenn Vergebung stattgefunden hat, Vorurteile vergessen werden und ich meien Angst überwinde.

Angstfördernde Worte sind dagegen das Gift in unserer Gesellschaft. Ich wünsche uns allen, dass wir heute schon den ersten Schritt dazu wagen können, und aufeinander zu gehen.   

Ich wünsche uns allen, dass wir alle die gleiche Sprache sprechen und einander verstehen – von Grund auf. Vielleicht sind auch Sie demnächst so emotional wie ich, wenn Sie hören:

So sind wir alle hierher gekommen, mir sprechen heute all dieselbe Sprache. Wir haben dadurch so viel gewonnen. Wir sind wie wir sind, wir Jecke am Rhing. Das ist etwas, wo wir stolz drauf sind. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ihre Pfarrerin


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